Schwerkraftmaschine: Stereo Transformer erklärt

Schwerkraftmaschine: Stereo Transformer erklärt

  • 18.01.2017
  • Michael Krusch
  • Story
  • Schwerkraftmaschine

Teil 4 der Serie über die Kompressions-Modi der Schwerkraftmaschine

Was MS-Bearbeitung ist – und woher sie kommt

MS-Bearbeitung ist seit einiger Zeit wieder in aller Munde.
Dabei ist die getrennte Bearbeitung des Mitten- und Seitensignals schon sehr alt.

Typische Anwendungsfälle waren die Basisbreitenverringerung von tieffrequenten Signalen, damit der Song auf Vinyl gepresst, nicht die Nadel aus der Rille springen ließ.

Seinen Ursprung hat die MS-Stereophonie in der Mikrofonaufnahme mittels eines Kugelmikrofons, welches das M-Signal darstellt und einem Mikrofon mit Achtcharakteristik, das mit der 0-Stelle zur Schallquelle gedreht wird, als S-Signal.
Je nachdem wie laut die beiden Signale zueinander eingestellt werden, kann man den Raumanteil der Aufnahme festlegen. Dies funktioniert auch, wenn das Endergebnis ein Monosignal darstellt.

Wie macht es die Schwerkraftmaschine

Natürlich besteht die Möglichkeit die Schwerkraftmaschine über den Konnektor oder eine andere MS/LR-Matrix im MS-Mode anzusteuern.
Es geht aber auch ohne.

Die Möglichkeit, auf M- und S- Signale unterschiedlich zu reagieren, macht sich der Mode Stereo Transformer zu nutze.

Schwerkraftmaschine Stereo Transformer: Side-Chain mit getrennter M- und S-Verarbeitung

Der linke und rechte Kanal des Audiosignals wird in der Side-Chain in ein M-Signal addiert und für das S-Signal voneinander subtrahiert.
Beide Signale durchlaufen dann getrennt eine eigene Side-Chain.
Am Ende wird das Steuersignal des S-Kanals vom Steuersignal des M-Kanals subtrahiert.
Der M-Kanal sorgt also für Kompression, der S-Kanal verringert sie wieder.

Wichtig zum Verständnis: Der Audioweg selbst bleibt Links/Rechts. Die Schwerkraftmaschine kodiert das Signal nicht in M und S um, sondern rechnet nur in der Side-Chain so – deshalb braucht es weder Matrix noch Zusatzgerät, und das Röhren-Regelglied arbeitet weiter ganz normal auf beiden Kanälen. Wer echte MS-Kompression mit getrennter Bearbeitung von Mitte und Seite will, kombiniert die Schwerkraftmaschine mit einer LR/MS- und MS/LR-Matrix (zum Beispiel dem Konnektor) und nutzt den Dual-Mono-Modus über das Plug-in. Dort ist der Stereo Transformer allerdings nicht sinnvoll – er ist für das normale Stereosignal gedacht.

Wie klingt es

Da ein Mix ein ständiges Aufeinanderfolgen verschiedenster Stereoereignisse ist, ändert sich durch diesen Mode auch ständig etwas an der Kompression, je nachdem wo die Signale im Stereopanorame sitzen.
Ein Drumloop wird, wenn die Stereofläche einsetzt, anders komprimiert, als wenn er Solo läuft.

Wieder einmal kann man nur das Ausprobieren und Anhören empfehlen, da der Effekt auf das Stereobild kaum mit Worten zu beschreiben ist.

Praktisch heißt das: Signalanteile in der Mitte treiben die Kompression an, breite Stereoanteile nehmen sie zurück. Je mehr Breite im Signal, desto weniger drückt der Kompressor. Wie stark der Effekt ausfällt, hängt vom Material ab; wie bei allen Modi lässt sich der Anteil über den Mix-Regler dosieren und der Frequenzfokus über das Side-Chain-Filter setzen.

Das Video: Stereo Transformer im Einsatz

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Mehr Infos zur Schwerkraftmaschine

Die Serie: alle 11 Kompressions-Modi der Schwerkraftmaschine

Teil 1: Multi-Band Complex · Teil 2: Diode Pressor · Teil 3: Breakthrough · Teil 4: Stereo Transformer (MS-Bearbeitung) · Teil 5: Schwerkraftmaschine vs. Vari Tube Compressor · Teil 6: Vocal Leveler · Teil 7: Optical Compressor · Teil 8: Drum Smasher · Teil 9: Classical VariMu · Teil 10: Chart Analysis · Teil 11: Deesser

Mehr zum Thema: Schwerkraftmaschine: Multi-Band Complex erklärt – auch hier arbeitet die Side-Chain mehrkanalig · FOH-Setup Julien Doré: Creme & Schwerkraftmaschine

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